Vorurteile über das Ref unter der Lupe


1. Im Referendariat hat man keine Zeit mehr für Freizeit

Keine Frage: Vor Unterrichtsbesuchen haben Referendare immer ein wenig mehr zu tun als sonst. Ein normaler Arbeitstag endet für Lehrer auch nicht um Viertel nach Eins, sondern führt sich Zuhause weiter in Form von Unterrichtsvorbereitung. Wer sich aber konsequent an seine Vorbereitungen setzt, sich nicht ablenken lässt und auch mit dem eigenen Perfektionismus nicht übertreibt, wird auch noch ausreichend Zeit für Dinge außerhalb der Schule haben. Gerade im Referendariat sind es nur 21 Stunden wöchentlich, die wir in Schule (14h) und Seminar (7h) verbringen müssen. In den verbleibenden 19 Stunden, die manverglichen  mit der freien Wirtschaft (auch in der Ausbildung!) ableisten müsste, schafft man dann doch einiges an Schulvorbereitungen. Ich selber habe noch ausreichend Freizeit und muss ehrlich sagen, dass ich trotz täglicher Unterrichtsvorbereitung und viel Liebe, die in meinen Materialien steckt, auf keine 40-Stunden Woche komme. Wichtig sind ein gutes Zeitmanagement und der Mut zur Lücke. Nicht jede Unterrichtsstunde kann perfekt sein und das muss sie auch nicht. Mein Fachleiter sagte mal: Wenn man einmal in der Woche eine perfekte Stunde hält, dann entspricht das dem Möglichen. Man muss manchmal auch selber einen Cut machen und sagen: "So - jetzt gehe ich ins Kino!" Unterrichtsvorbereitung kann man sich endlos gestalten. Es gibt immer etwas das man noch besser, noch differenzierter und noch effizienter gestalten kann. Neben gutem Unterricht ist es aber auch wichtig, dass ihr gesund bleibt. Wer sich den ganzen Tag immer nur mit dem Job beschäftigt, der wird irgendwann krank. Und davon hat nun wirklich keiner was.



2. Die Fachleiter finden immer was zum meckern...

Unbeschreiblich war diese Angst, die ich vor Beginn des Refs vor den Fachleitern hatte. Man muss nur "Fachleiter" googeln und schon erhält man Bilder von Monstern, Horrorgeschichten in denen Referendare von ihnen mit Haut und Haaren verschlungen wurden und Foreneinträge mit dem Hilfeschrei von dem armen kleinen Refi, der nach alternativen Berufen sucht, weil sein Fachleiter ihn psychisch fertigmacht.

 

Wie soll man bei solchen Geschichten auch keine Angst vor dem Ref kriegen?

 

Als ich dann am ersten Tag meines Refs die Fachleiter kennenlernte, war ich erstmal erstaunt, dass das doch tatsächlich ganz normale Menschen waren. Ich hatte mir glitschig grüne Sumpf-Monster vorgestellt, mit mindestens 6 Augen, um meine Fehler in Unterrichtsbesuchen noch besser sehen zu können.

 

Aber mal Spaß beiseite...meine Fachleiter sind wirklich total nett und ich kann euch sagen, dass die anderen Referendare in meinem Seminar auch  größtenteils zufrieden sind. Bisher habe ich auch noch von niemandem gehört, dass ein Fachleiter total unmenschlich sein soll. Ich empfinde die Fachleiter sogar als besonders einfühlsam. Ich glaube, dass sie die Angst der Referendare kennen und deshalb ganz besonders versuchen, verständnisvoll zu sein.

 

Selbstverständlich werde ich in Unterrichtsbesuchen kritisiert und ja, irgendwie finden die schon immer was, aber man muss auch sagen, dass man vor der Kritik mindestens genauso viele positive Sachen hört und auch Lob für Dinge, die man gut gemacht hat.

 

Kritik gehört zum Ref dazu, denn überleg mal: Die Fachleiter haben 1,5 Jahre um uns für ein ganzes Leben zu professionaliserien. Da muss kritisiert werden, um überhaupt eine Selbstreflexionskompetenz auszubilden. Wir müssen nämlich hinterher eigenständig in der Lage sein unser Handeln kritisch zu hinterfragen, um uns immer weiter zu verbessern oder auch einfach nur gut zu bleiben.

 

Hinzu kommt, dass die Fachleiter uns auf die Abschlussprüfung vorbereiten müssen. Denn da sitzen Fremdprüfer, von denen man nicht weiß, wie die wirklich ticken. Deshalb ist es wichtig, dass der Fachleiter vielseitig kritisiert, damit du für den Ernstfall gewappnet bist!

 

Kein Meister ist vom Himmel gefallen. Nehmt die Kritik als Geschenk und macht was draus. Leute, die sich durch Kritik aus der Bahn werfen lassen, sind viel zu stark von sich überzeugt. Sowas ist im Lehrerberuf ein knock out, denn der Lehreralltag besteht ständig aus Rückschlägen. Das ist auch überhaupt nicht schlimm! Wichtig ist, dass wir daraus lernen. Wer aber an den eigenen Vorstellungen festhält, kann kein guter Lehrer sein.




Kommentare

Kommentare: 2
  • #2

    Kristina (Samstag, 10 November 2018 17:50)

    Liebe Sandra,
    schön, dass du das so schreibst. Aber vergiss nicht, dass die Anforderungen von Bundesland zu Bundesland verschieden sind. In meinem Bundesland werde ich von meinen Fachseminarleitern geprüft ;)
    liebe Grüße und weiterhin viel Erfolg
    Kristina

  • #1

    Daria (Donnerstag, 08 November 2018 09:35)

    Liebe Sandra,

    ich bin zwar noch nicht im Rief, sondern absolviere das Praxissemester an einer Schule innerhalb meines Studiums in Berlin. Ich danke für deinen Beitrag. Er nimmt mir die Last von den Schultern. Ich habe die Unterrichtsvorbereitung, -planung und die Anfertigung von Materialien unterschätzt und denke, mein Leben besteht nur noch aus Schule, Uni und Unterrichtsvorbereitung, wenig Schlaf und Essen... Das kann es doch nicht sein! Es werde weniger Zeit investieren. Ich möchte auch nicht mehr ein ganzes Wochenende daran sitzen, um 1 bis 2 Unterrichtsstunden vorzubereiten. Danke für deine Mühe hier auf deiner Website und auch auf Instagram.

    Herzliche Grüße

    Daria