Regeln, Rituale und Sanktionen

Jede Klassengemeinschaft braucht Regeln, damit ein friedvolles Zusammenleben möglich ist. Im Folgenden findest du Regeln, Rituale und Sanktionsmaßnahmen/Lob, welche ich in meinen Klassen umsetze. 


Regeln

Ich kann mich noch gut an eine Hospitationsstunde erinnern, in der eine Kollegin mit einem Katalog aus Regeln in die Klasse kam und diesen besprechen wollte. Die Schülerinnen und Schüler waren am Ende der Stunde völlig verwirrt und auch ziemlich schlecht drauf. Selbst ich hatte bei Regel 19 schon wieder die Hälfte der Regeln vergessen und hatte fast Angst zu atmen, weil ich befürchtete, dass dies nicht erlaubt ist. 

 

Natürlich überspitze ich jetzt. Was ich mit meiner kleinen Provokation aber sagen möchte ist, dass Regeln kompakt sein müssen und den Schülerinnen und Schülern auch einen gewissen Raum geben müssen selbst entscheiden zu können, was angemessen ist und was nicht. In der Regel merken die Schülerinnen und Schüler durch Ablehnung des unangemessenen Verhaltens schnell, ob das Verhalten angemessen oder unangemessen ist. Zudem ist es auch nicht fair Schülerinnen und Schülern grundsätzlich mangelnden Anstand zu unterstellen. So ein Katalog von Regeln schafft eine schlechte Stimmung, weil man den Eindruck vermittelt "Ihr seid eine Horde wild gewordener Tiere und ich vertraue euch kein Stück". So ein Eindruck sollte unbedingt vermieden werden, da er die Beziehung zu den Schülerinnen und Schülern nachhaltig schädigt. 

 

Unsere Klassenregeln lauten:

 

1. Wir respektieren uns gegenseitig.

(Was das genau bedeutet, wissen die Kinder. Man kann hier bei der Besprechung der Regeln Beispiele sammeln. Der Punkt "Wir respektieren uns gegenseitig erspart viele weitere Regeln, da sie in dieser Regel enthalten sind: Cappy tragen, den Unterricht stören, beleidigen etc.)

 

2. Wir helfen uns gegenseitig und sorgen dafür, dass jeder sich wohlfühlt. 

Ich möchte eine Gemeinschaft bilden, die zusammenhält und füreinander sorgt. Diese Regel gilt auch als Vereinbarung sich gegen Mobbing einzusetzen und auch nicht selbst zu mobben. 

 

3. Wir geben immer unser Bestes. 

Hat sich ein Kind keine Mühe gegeben bei einer Aufgabe, kann man auf diese Regel verweisen. 

 

4. Wir sind ordentlich und gehen wertschätzend mit dem Inventar um. 

 

5. Wir sind zuverlässig. 

(Diese Regel beinhaltet das Anfertigen von Hausaufgaben und die Pünktlichkeit.)

 

Fünf Regeln reichen meiner Meinung nach völlig und decken alles ab, was ich von Schülerinnen und Schülern erwarte. Die Regeln beginnen immer mit "Wir", sodass sich jeder als Teil der Gruppe verantwortlich fühlt. Ich betone in der Klasse auch, dass auch ich zu dem "Wir" gehöre. Auch ich muss mich an die Regeln halten. Ich muss alle Kinder respektieren. Ich muss dafür sorgen, dass sich jedes Kind wohlfühlt. Ich gebe immer mein Bestes für einen tollen Unterricht usw. 

Wenn man vor der Klasse betont, dass man auch zum "Wir" gehört, zeigt man, dass die Regeln eben nicht nur einseitig gelten. Dies stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl, welches mir persönlich sehr wichtig ist. Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass Schülerinnen und Schüler viel mehr Respekt zeigen, wenn man als Lehrperson betont, dass man selbst auch bemüht ist respektvoll zu sein. Es ist viel wirksamer zu sagen: "Ich finde es schade, dass du rein rufst, das würde ich bei dir doch auch nicht tun", als einfach aus Autoritätsgründen darauf zu bestehen, dass das Kind nicht rein ruft. 

Ich sage nicht, dass es okay ist, wenn ein Kind rein ruft. Das soll es natürlich nicht. Ich betone nur, dass es langfristig wirksamer ist das Kind zur Reflexion anzuregen, indem man darauf hinweist, dass man gegenseitigen Respekt erwartet. Gegenseitiger Respekt ist etwas, das das Kind eher einsieht und versteht. "Du rufst nicht rein, weil ich das sage" führt hingegen wahrscheinlich zu weniger Einsicht und kann sogar eine gewisse Rebellion hervorrufen. "Weil ich das sage" ist sowieso ein ziemlich gefährlicher Satz. Er drückt aus "Ich sitze am längeren Hebel und egal wie Willkürlich das ist, was ich verlange, ich werde es durchsetzen." Lehrer, die zu meiner Schulzeit so gewesen sind, mochte ich überhaupt nicht. Ich war bei solchen Lehrern auch immer sehr rebellisch. 

 

Sanktionen

So ungern ich sie auch verteile - ganz ohne kommt man dann doch nicht aus. Wir sind Wissensvermittler, aber eben auch Erzieher. Gutes Zureden ist zwar nett, aber hilft einfach nicht immer. Lehrer sind in gewisser Weise wie Eltern. Eltern lieben ihre Kinder, aber wenn man Kindern völlige Freiheit lassen würde, alles zu tun, dann würde das kein gutes Ende nehmen. Wahrscheinlich würde es zum Mittagessen nur noch Eis mit Gummibärchen geben und das Kind hätte im Endeffekt nach einer Woche Nudeln, Eis und Süßigkeiten keine Nährstoffe mehr im Körper und würde krank werden. Wir, die Erwachsenen, verfügen einfach über mehr Lebenserfahrung und wissen was für unsere Kinder gut ist und was nicht. Kinder verfügen über dieses Wissen noch nicht ausreichend und müssen deshalb gelenkt werden. Da Kinder aber auch nicht immer über eine ausreichende Reflexionsfähigkeit verfügen und durch gutes Zureden manchmal kein Erfolg erzielt werden kann, muss es Sanktionen für Kinder geben. 

 

Schon oft habe ich von Kritikern gehört: "Arbeite doch mit positiver Verstärkung." 

 

Ich kann hierzu nur sagen, dass ich Lob wichtig finde und sehr viel damit arbeite. Eine Erziehung, die aber nur aus positiver Verstärkung besteht, halte ich in 99% der Fälle für nicht effektiv. In meinen zahlreichen Hospitationen habe ich beobachtet, dass gerade Lehrkräfte, die nur mit positiver Verstärkung arbeiten, kaum zum Unterrichten kommen. Sie werden schlichtweg einfach nicht ernst genommen. Sollte es bei jemandem von euch wunderbar klappen, dann ist das sehr positiv, aber es klappt leider einfach bei den Wenigsten. Jede Lehrkraft muss ihren eigenen Weg finden.

Ich sanktioniere, wen sich nicht an Regeln gehalten wird und ich lobe, wenn es angebracht ist. Das ist mein Weg und ich bin bisher damit sehr gut zurecht gekommen. 

 

Wie ich sanktioniere ...

 

Wenn es zur Sanktionierung kommt, kommuniziere ich die Konsequenz sachlich und ruhig. Ich verweise auf die Regeln und nenne den Regelverstoß damit klar wird, was das Problem ist. Schreien geht gar nicht, denn es symbolisiert mangelnden Respekt. Wenn man Schülerinnen und Schüler anschreit, hält man sich demnach selbst nicht an die Regeln. 

Oft zeige ich den Schülerinnen und Schülern meine Enttäuschung über das Fehlverhalten. Das ist nicht nötig. Eine sachliche Herangehensweise ist sicher auch ein richtiger Weg, aber die Enttäuschung ist in dem Moment einfach mein Gefühl und ich finde, dass man auch als Lehrkraft ruhig mal zeigen darf, dass man gerade enttäuscht ist. Das ist authentisch und zeigt auch, dass mir der Schüler oder die Schülerin am Herzen liegt. Auch wenn ich oft meine Enttäuschung zeige, bin ich niemals nachtragend. Am nächsten Tag ist immer wieder alles gut. Man darf Regelverstöße auch nicht zu persönlich nehmen. Sowas führt nämlich dazu, dass man Schülerinnen und Schüler beginnt unbewusst unterschiedlich zu behandeln. Sowas muss auf jeden Fall vermieden werden. 

 

Die Konsequenzen bei Regelverstößen

 

1. Respektlosigkeit (milde Fälle, wie z. B. Unterrichtsstörungen) (Regel Nr. 1) 

 

Konsequenz 1--> Verwarnung in Form einer gelben Karte. 

Konsequenz 2--> Verwarnung in Form einer orangen Karte. 

Konsequenz 3--> Rote Karte - Das Kind wird vom Unterricht ausgeschlossen. Je nach Kapazität geht es in die Nebenklasse und reflektiert sein Verhalten oder bleibt in der Klasse, darf am Unterricht nicht mehr teilnehmen und muss verpasstes Zuhause nachholen. Während des Ausschlusses muss das Kind einen Reflexionsbogen ausfüllen. Die Reflexion wird von den Eltern unterschrieben. 

Konsequenz 4--> Weigert sich das Kind oder stört weiter, setzt es sich vor das Büro des Schulleiters. Die Eltern werden am gleichen Tag kontaktiert. Optional wird ein Termin zum Gespräch vereinbart. Möglich ist auch ein Ausschluss in der Folgestunde oder die Suspendierung für den Tag in Kooperation mit der Schulleitung. 

 

2. Zu Spät kommen (unentschuldigt)

 

Bis zu 7 Minuten zu spät: Minuten werden gezählt und ab 25 Minuten wird die verlorene Zeit im Nachmittagsbereich nachgearbeitet. Ich lasse dann nacharbeiten, wenn ich sowieso länger in der Schule bleiben muss. 

 

Mehr als 7 Minuten zu spät: Ausschluss vom Unterricht für die Stunde. Der Schüler setzt sich vor das Büro des Schulleiters. Sebstverständlich muss das Verpasste nachgeholt werden. 

 

Ab der dritten Verspätung bekommen die Eltern des Kindes einen Brief, der über das Fehlverhalten informiert. Kommt das Kind dauerhaft zu spät, gibt es ein Gespräch mit den Eltern. 

 

3. Keine Hausaufgaben/ kein Material

 

Bei jedem Vergessen von Hausaufgaben oder Material bekommt das Kind einen Strich, welche ich mir in meinem Lehrerplaner notiere. Ab dem dritten Strich werden die Eltern benachrichtigt. 

 

Bei schweren Regelverstößen entscheide ich immer individuell, welche Maßnahme angemessen ist. 

 

Wichtig ist, dass Sanktionen einem klaren Schema folgen und nicht willkürlich eingesetzt werden. 

 

 

 


Positive Verstärkung

Meine Art der positiven Verstärkung ist schnell erklärt. Ich lobe die Schülerinnen und Schüler für tolle Arbeiten, besonders vorbildliches Verhalten und persönliche Fortschritte hinsichtlich von Verhalten und Leistung. Ich vergebe keine Belohnungen mehr (früher habe ich sowas schon probiert), verteile keine Geschenke für gutes Benehmen. Ich sage einfach: "Ich bin stolz auf dich." oder setze einen Sticker unter eine tolle Arbeit und zeige meine Wertschätzung. Über sowas freuen sich die Schülerinnen und Schüler am allermeisten. 


Rituale

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