Diskussionsecke

Eine Ecke zum Gedankenaustausch rund um das Thema Schule und den Beruf Lehrer.


Eine einheitliche Vergütung für alle Lehrer

Die Vergütung für Lehrkräfte fällt teilweise sehr unterschiedlich aus. Zunächst macht es einen großen Unterschied, in welchem Bundesland man arbeitet, ob man verbeamtet ist oder nicht und in welcher Schulform man tätig ist. Viele Bundesländer haben zumindest die Bezahlung der verbeamteten Lehrer angeglichen, sodass jetzt alle A13 erhalten. NRW ist da leider noch nicht so weit.

 

Ich persönlich denke, dass es zunächst keinen Netto-Gehaltsunterschied zwischen verbeamten und nicht-verbeamteten Lehrern geben darf. Es ist schlichtweg nicht fair und lässt sich auch plausibel nicht begründen. Zudem bin ich auch der Meinung, dass die Lehrer aller Schulformen einheitlich bezahlt werden sollten. Viele argumentieren damit, dass das Studium der Gymnasiallehrer länger dauern würde. Das stimmt spätestens seit 2009 nicht mehr. Auch ich habe, genau wie meine Grundschulkollegen, 10 Semester Regelstudienzeit gehabt. Ich saß Seite an Seite mit meinen Gymnasialkollegen in Seminaren. Mein Studium war nicht weniger wissenschaftlich und auch nicht weniger umfangreich.

 

Keineswegs möchte ich jedoch die Arbeit der Gymnasiallehrer herabwürdigen. Der Anspruch ist hoch. Der Korrekturaufwand, besonders in der Oberstufe, ist enorm. Hierfür sollte es weiterhin eine Reduktion der Unterrichtsstunden geben. Was ich aber möchte ist, dass die Arbeit der Grund-, Haupt-, und Realschullehrer mehr gewürdigt wird. Unsere Arbeit ist, gerade in Zeiten der Inklusion, nicht einfacher, sondern nur anders. Wir müssen in alle Richtungen differenzieren und können Material aus Büchern häufig nicht verwenden, da diese schlichtweg zu schwer sind. Das kostet auch sehr viel Zeit. Zudem haben wir 28h/Woche.

 

Ich finde wir alle leisten sehr viel. Die Arbeit in den unterschiedlichen Schulformen ist jeweils anders, aber einfacher? Meiner Meinung nach nicht. Ich bin für eine einheitliche Vergütung!


Kommentare: 0

Der Beamtenstatus - Fluch oder Segen?

Auch als Referendar wird man in den meisten Bundesländern zum Beamten auf Widerruf ernannt. Wenn man dann die gesundheitliche Eignung mitbringt, dann auch irgendwann eventuell auf Lebenszeit. Aber hat der Beamtenstatus wirklich nur Vorteile? Zunächst einmal klingen die Rahmenbedingungen ziemlich attraktiv: Jobsicherheit, die private Krankenversicherung, die Pension, Familienfreundlichkeit und die Möglichkeit auf eine längere Auszeit vom Beruf ohne Folgen für den weiteren beruflichen Werdegang fürchten zu müssen. Gerade im Lehrerberuf kommt auch noch hinzu, dass man netto deutlich mehr verdient, als die angestellten Kollegen.

 

Doch warum entscheiden sich auch immer wieder Lehrer freiwillig gegen den Beamtenstatus? Ein großer Faktor sind hier wahrscheinlich die eigenen Prinzipien. Viele wollen kein Teil von einem System Schule sein, dessen Rahmenbedingungen sie aus mangelnder Überzeugung nicht vertreten können. Das Streikverbot erschwert auch das Anstoßen einer Veränderung. Man hat als Beamter zudem häufig das Gefühl, man müsse für alles um Erlaubnis bitten. Auch ein Berufsbahnwechsel, um sich einfach mal neu zu erfinden, ist kaum möglich. Selbstverständlich hat man immer das Recht, aus dem Beamtenstatus freiwillig auszutreten. Die Frage ist aber, ob man dies möchte, je nachdem wie lange man nicht in die Rentenkasse eingezahlt hat.

 

Wie steht ihr zum Beamtenstatus? Fluch oder Segen?


Kommentare: 0

Inklusion

Ich stehe vor der Klasse. 25 Augenpaare starren mich erwartungsvoll an. Vor mir liegen Arbeitsblätter. Die Schüler sollen ein eigenes Märchen verfassen. Lena stöhnt: “Ich kann das nicht!” - “Ich weiß Lena...”, denke ich und rücke meine dreifach differenzierten Arbeitsblätter zurecht. Wir sammeln wiederholt die Merkmale eines Märchens an der Tafel. Ich blicke in Tims gelangweilte Augen und weiß, dass er sich die Merkmale schon beim ersten Mal gemerkt hat. Die Wiederholung langweilt ihn. Ich teile die Arbeitsblätter aus. “Frau Sandra, warum hat die Luisa ein anderes Arbeitsblatt als ich?” Erklärungsversuche. “So, wer möchte denn nun einmal die Aufgabenstellung vorlesen?”, frage ich. Jonas schnippst vor Aufregung mit dem Finger. Joana weicht meinem Blick aus. Sie arbeitet mit der Logopädin hart an ihrem Stottern. Die Scham vor der Klasse vorzulesen, ist aber zu groß. Plötzlich springt Niklas auf und schubst Lenard zu Seite: “Fass mein Mäppchen nicht an!” - Ich schicke Niklas in die Auszeit. In der Auszeit schneidet er sich vor Wut eine tiefe Wunde in den Finger. Ich kümmere mich um Niklas. Es entsteht Unruhe in der Klasse. Max hält sich die Ohren zu. Er erträgt diese Unruhe nicht und beginnt zu weinen. 🔆


Seit über einem halben Jahr erlebe und gestalte ich Inklusion an einer Hauptschule mit. Hier lernen Kinder mit den Förderschwerpunkten Lernen, ES und Sprache gemeinsam mit Asperger Autisten und leistungsstarken Schülern. Die Inklusion ist eine Herausforderung, der Deutschland (noch) nicht gewachsen ist. Es fehlen Sonderpädagogen und Rahmenbedingungen, die die Lehrer und auch die Schüler entlasten. Außerdem: Wie weit darf Inklusion gehen? Ist ein Kind “inkludierbar” wenn es innerhalb von Wutanfällen Selbstverletzung betreibt? Profitiert das Kind von der Regelschule? Dort, wo es nur zeitlich begrenzt sonderpädagogische Betreuung erhält? Profitiert der Asperger Autist von großen und lauten Klassen, die er doch eigentlich gar nicht ertragen kann? Und wie gestalte ich Unterricht für eine Klasse mit besonders starken, aber auch LE- Schülern?
Inklusion hört sich super an liebe EU, aber wo bekomme ich die Gebrauchsanleitung dafür her?


Kommentare: 0